Aus meiner Familienchronik III

Und erneut kann ich den geneigten Leser nur dazu beglückwünschen, heute wieder etwas mehr über meine ungewöhnliche Familiengeschichte erfahren zu dürfen.

Auf dem Foto links sehen wir meinen Großonkel Alfred in seinen besten Jahren. Trotz seines tadellosen Auftretens konnte er partout keine Ehefrau finden was seiner unangenehmen Angewohnheit des ständigen Nägelkauens geschuldet war. Allerdings ist nicht von Fingernägeln die Rede, sondern von kleinen Zimmermannsnägeln, die er in einer Pappschachtel immer mit sich herumzutragen pflegte. Da Onkel Alfred, des Alleinseins überdrüssig, gleichermaßen ein begnadeter Tüftler und Erfinder war, hatte er sich eines Tages in mühevoller Feinarbeit einen Roboter in Frauengestalt gebastelt. Eine mechanische Braut namens Else die Alfred liebevoll seine kleine, nockengesteuerte Gemahlin nannte.

Wir sehen Else an Alfreds Seite auf dem Bild. Man kann recht gut erkennen wie Alfred permanent einen Sicherungsbolzen an Elses Rücken festhält, da er befürchtete, dass durch den Magnesiumblitz des Photographen Elses empfindliche Mechanik gestört werden könnte und ihr die eine oder andere Feder rausspränge. Falls dies passieren sollte, würde Alfred eine schnelle Reparatur vornehmen müssen, weshalb er Else vorsorgehalber die Konstruktionspläne in die Hand gedrückt hatte.

Den Gesichtsausdruck auf der Photographie hatte Else übriges immer. Egal ob sie Wäsche wusch, mit den Nachbarsfrauen Canasta spielte, ihrem Mann die Haare schnitt, oder im Garten Maulwürfe jagte um ihnen dann den Kopf abzubeißen.

Wie man nun vielleicht schon geahnt hat, war das Eheglück leider nicht von Dauer. Elses Konstruktion war gleichermaßen brillant wie unausgereift. Schon nach wenigen Monaten häuften sich die Funktionsstörungen. Sie kochte Schmierölauflauf statt Brathähnchen, staubsaugte den Rasen, mähte den Wohnzimmerteppich und trocknete das wertvolle Porzellanservice, indem sie es mit Steinen bewarf. Auch verlor sie ständig Öl und wurde von den Nachbarn nur noch Schepper-Else genannt

Ihre Ehe endete in einem massiven Anfall bei dem Else eines Nachts das Haus verließ und laut quietschend sämtliche Laternenpfosten in der gesamten Nachbarschaft ausriss, zusammenfaltete und in Alfreds Sockenschublade zu verstauen suchte. Onkel Alfred der die Faxen nun endgültig dicke hatte, demontierte Else und damit auch seine Ehe und machte aus seine ehemaligen Gattin den weltweit ersten Flipperautomaten. Später hat Großonkel Alfred dann doch noch geheiratet. Eine richtige Frau namens Irmtraud deren Liebe zu Großonkel Alfred auch der Anblick seiner angeknabberten Zimmermannsnägel nichts anhaben konnte.