Vom Krieg der Knöpfe …

Bevor die Läden schließen muss ich noch dringend eine neue Fusselrolle kaufen, damit ich morgen einen ordentlichen Eindruck mache, wenn meine Verhandlung startet,  die den Vorfall am 5. Mai diesen Jahres untersucht, bei dem die beiden größten Knopffabriken des Landes in die Luft gesprengt wurden. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich hierfür gute Gründe hatte. Ein befreundeter Ausserirdischer hatte mir die Warnung zukommen lassen, dass die Erde auf eine schreckliche Katastrophe zusteuern wird.

Es fängt damit an, dass der neu ernannte Minister für Umwelt und Soziales, Heinz-Harald Tschien, von Freunden Heinz Fiction genannt, eine landesweite Ausschreibung macht, bei der Lösungen vorgeschlagen werden sollen, um das Ozonloch zu schließen. Unter den Bewerbern ist auch der Knopffabrikant F. Schmollner. Sein Ansatz sieht vor, das Ozonloch einfach zuzuknöpfen. Schmollner hat errechnet, dass man für dieses Unterfangen lediglich 120.000.000.000² Knöpfe aus der Serie Casual-Country benötigen würde. Schmollner bekommt den Zuschlag, doch dies ruft seinen ärgsten Widersacher, den Direktor der Vereinte Knopfwerke AG, Wilfried Fiff auf den Plan. Fiff hört von dem Plan und will Schmollner zuvorkommen. Der Krieg der Knöpfe beginnt und mit ihm ein erbarmungsloses Wettrüsten um den ersten Platz. Wer zuerst die benötigte Knopfmenge produzieren kann, macht das Rennen. Als man merkt, dass der Plan nicht funktionieren kann, weil es kein Nähgarn gibt, das widerstandsfähig genug ist, um die Knöpfe an der Ozonschicht zu halten und man nicht mehr weiss, was man nun mit all den Knöpfen anfangen soll, ist es bereits zu spät. Die mittlerweile hochtechnisierten, von Knopfbotern gesteuerten Maschinen, die aussehen wie eine Mischung aus einem Dampfbügeleisen und einem Kartoffelstampfer, sind von ihren Erbauern nicht mehr anzuhalten. Rund um die Uhr werden Knöpfe produziert.

In den folgenden Jahren kommt es zu einem so gewaltigen Überschuss an Knöpfen, dass neue Gesetze ins Leben gerufen werden, die jeden Bürger dazu verpflichten, pro Tag mindestens fünfzig neue Knöpfe an die eigene Kleidung zu nähen. Überall werden Knöpfe angenäht. An Hosen, Jacken, Bäumen, Laternen, Hunden… Nach kurzer Zeit gibt es sogar ganze Knopffelder, weil man Knöpfe einfach an die Erde näht, um sie loszuwerden. Als man nicht mehr weiter weiss, versucht man große Ladungen an Knöpfen ins All zu schießen, doch dadurch verdunkelt sich die Sonne und man lässt es schließlich bleiben. Die Situation wird schlimmer. Viele Menschen leiden an anhaltenden Knopfschmerzen, Reissverschlüsse werden verboten, Kranke können nicht mehr operiert werden, da man das Nähgarn für die Knöpfe braucht, die Zeit wird nicht mehr in Sekunden sondern in Stichen gezählt,  die Metallindustrie versucht Nägel mit Knöpfen zu machen. Doch ich schweife ab. Um dies alles zu verhindern, beschloss ich, prophylaktisch tätig zu werden und besorgte mir Sprengstoff. Der Rest dürfte mit ein wenig moderner Logik zu entschlüsseln sein. Nun muss ich los, denn es ist kurz vor Ladenschluss und ich habe noch immer keine Fusselrolle.