Von Teelichtern, Radkappen und hohem Alter …

Liebes Tagebuch …

Mein Erfindungsgeist ist gefragt. Die Strahlung einer Mikrowelle im Haushalt, ist mir in meinem hohen Alter mittlerweile zu gefährlich geworden. Nun arbeite ich mit all meiner Ingenieurskunst daran, eine ungefährliche Alternative der Speisenerwärmung zu entwickeln.

Der bisherige Prototyp, bestehend aus einem Schuhkarton für Trekkingstiefel, einer Aluminiumradkappe, einem Teelicht, einer Katzentür, sowie einem waffenfähigen Akkordeon, stellt mich noch nicht vollständig zufrieden. Doch ein scharfsinniger Geist kapituliert zu keiner Zeit.

Von Monsterschnecken und gechlortem Wasser …

Liebes Tagebuch …

Heute muss ich mich vor Gericht verantworten, weil ich in ein Sportartikelgeschäft eingebrochen bin. Dass man mir dies vorwirft ist geradezu schändlich, schließlich handelte ich zum Wohle der Menschheit.  Ich hatte herausgefunden, dass ein boshaftes Weltraumschneckenweibchen seine Eier zwischen den Sportartikeln deponiert hatte. Wie sie das bewerkstelligen konnte, tut nichts zur Sache. Sollten die Monsterschnecken in diesen Eiern jedoch schlüpfen, würde eine Invasion über die Erde hereinbrechen. Also sammelte ich alle Eier ein und versenkte sie im Nichtschwimmerbecken des nahe gelegenen Waldschwimmbades. (Weltraumschnecken hassen gechlortes Wasser)

Ich persönlich mache den Geschäftsführer des Ladens für dieses überaus niederträchtige  Weltraumschnecken-Komplott verantwortlich. Bei der Vorverhandlung hat er sich verraten, indem er die Schneckeneier als Tischtennisbälle bezeichnete. Ich gehe davon aus, dass das Urteil zu meinen Gunsten ausfallen wird, denn kein Mensch trägt Tennisspiele auf einem Tisch aus. Eine lächerliche Behauptung, die ihm kein Richter dieser Welt abnehmen wird.

Weshalb vor meinem Haus Menschen verschwinden …

Liebes Tagebuch …

Ich bin entsetzt und habe den dringenden Verdacht, dass unmittelbar vor meinem Haus Menschen verschwinden. Jeden Tag kann ich beobachten, wie dort Männer, Frauen, sogar Kinder fast regungslos in einer Art Schockstarre verharren und ins Nichts starren. Möglicherweise werden sie mit einem Gedankenkontrollstrahl gefügig gemacht. Dann tut sich ein großes, metallisch glänzendes Objekt davor auf und verursacht dabei einen dröhnenden Lärm. Die Menschen werden völlig willenlos ins Innere gesaugt, was das Objekt mit einem diabolischen Zischen quittiert. Kurz danach ist das Objekt verschwunden und mit ihm auch all die Menschen. Das geschieht mittlerweile jeden Tag und sieht fast nach einem Plan aus. Bei einer nächtlichen Untersuchung der Stelle vor meinem Haus, konnte ich dort ein ausserirdisches Symbol entdecken. Es handelt sich um eine Art schleimgrünes „H“, das von einem gelblich-grünen, nicht menschlichen Auge umringt wird. Ich denke, dass eine Invasion kurz bevor steht, denn diese Symbole scheint es mittlerweile in der ganzen Stadt zu geben. Werde mich morgen an die Front begeben um die unglücklichen Seelen diesem entsetzlichen Metallobjekt zu entreißen.

Das Rumpf-Unterrueckener Schimpfwortfestival und Ich

Liebes Tagebuch …

Letztes Wochenende hatte ich frei und beschloss, zu verreisen.

Mein Ziel war die Stadt Rumpf-Unteruecken im Sauerland. Rumpf-Unteruecken ist berühmt für seinen exquisiten Beleidigungstourismus. Ich hatte Glück, denn am Sonnabend fand das alljährliche Rumpf-Unterrueckener Schimpfwortfestival statt. Als bekennender Fan von seltenen Beleidigungen und Diffamierungsraritäten kam ich hier auf meine Kosten.

Es gab Vieles zu entdecken. In der historischen Flücherei konnte ich dabei zusehen, wie man im Mittelalter zornige Ausdrücke hergestellt hat. Als Sparfuchs legte ich mir die Unterueckener Mißkreditkarte zu, denn mit ihr bekam ich 20 Prozent Nachlass auf einen 4-Gänge-Streit in der rustikalen Zankwirtschaft „Zum bösen Nachbarn“.

Auf der Schimpfwortbörse beobachte ich ein junges Pärchen, das ein kaum gebrauchtes „Schreckliche Schlickschluppe“ für nicht einmal sechs Euro erstand und ich zankte mich mit einen mürrischen Rentner, der an seinem Stand gut erhaltene „Du spielst ja Schach wie ein ostpreußischer Senfgurkenkrümmer“ verkaufte, welche im Jahre 1854 Modebeleidigungen waren, heutzutage aber als seltene Liebhaberstücke gelten. Doch man hatte mich auch vor Touristenfallen gewarnt. An einem Stand nahe der St. Grobian Kirche verkauften zwielichtige Gestalten Markenflüche von SCHRAPNELL© , bei denen es sich aber aller Wahrscheinlichkeit nach um billige Imitate aus Asien handelte.

Das Schimpfwortfestival endete traditionell mit dem großen, wütenden Hupkonzert auf dem künstlich überfüllten Parkplatz des Festgeländes. Ein Andenken habe ich mir auch mitgebracht, Du ästhetisch indifferentes und motorisch unterentwickeltes, sowie kognitiv suboptimiertes Gesichtsgulaschfurunkel eines übel juckenden, weil parasitär befallenen Nacktmullhinterns.

Von Parkuhren, Badekappen und dem fehlenden Jot

Liebes Tagebuch …

Der gestrige Tag war sehr eigenartig. Ich musste auf das Amt um meinen Ausweis zu erneuern. Ich fand einen Parkplatz, doch statt Kleingeld für die Parkuhr hatte ich nur große Scheine dabei. Ich blickte mich suchend nach einem Geschäft um, damit man mir vielleicht Geld wechseln würde, doch ich konnte nur einen verfallen aussehenden Laden ausmachen, über dem eine windschiefe Werbetafel mit der Aufschrift „Schweltz&Stubel“ prangte. Es hing ein Geöffnet-Schild an der Tür,  also ging ich hinein.

Der Laden war vollgestopft mit staubigen Regalen die alle leer waren. Im hinteren Ladenbereich saß der Besitzer vornüber gebeugt vor einer schwarzen, klobigen und mit Sicherheit sehr alten Schreibmaschine. Er tippte kurz auf eine Taste, murmelte: „GE“ und drehte anschließend an dem Rad, damit das Papier aus der Maschine kam. Er hielt sich das Blatt direkt vor die Augen und studierte es gewissenhaft. Dann bestätigte er zufrieden das „GE“, warf das Blatt hinter sich, spannte ein neues Papier in die Maschine ein und fuhr mit „Ha“ fort.

Ich räusperte mich, um auf mich aufmerksam zu machen, doch der Mann fuhr mit seiner Prozedur ohne aufzublicken fort. „Manfred, bist Du es? Hast Du das Jot gefunden?“ Dann erst blickte er auf und sah mich. „Sie haben wohl keine Manieren, wie? Geben sich einfach als Manfred aus und sind es dabei gar nicht. Gehen Sie, ich habe zu tun“. Ich war ein wenig verwirrt und wollte das Missverständnis aufklären. „Entschuldigen Sie bitte. Ich wollte nicht… Vorne war niemand und..“ Er unterbrach mich. „Was meinen Sie damit? Vorne ist doch immer jemand. Wenn niemand vorne wäre, würde doch jeder hinten sein. Wie albern!“

Ich konnte ihm nicht folgen. „Na. Jedenfalls entschuldigen sie die Störung. Ich wollte nur fragen, ob sie mir nicht für die Parkuhr…“ Wieder fiel er mir ins Wort „Haben Sie mein Jot gefunden?“ Vorsichtig fragte ich: „Sie meinen den Buchstaben?“ Ungeduldig winkte er ab. „Nein, nein. Keinen Buchraben. So ein Tier gibt es ja nicht einmal. Sie sind ein wenig kauzig, nicht wahr? Ich meine das Jot.“ Ich wollte ihm antworten, doch das Telefon klingelte. Er nahm den Hörer und ohne zu fragen wer dran ist rief er hinein:  „Jetzt nicht. Eile ist geboten!“

Dann blickte er wieder zu mir: „Hören Sie Manfred,“ Ich wollte protestieren, da ich ja gar nicht Manfred heiße, aber er redete weiter: „erst behaupten Sie, sie hätten mein Jot, dann haben sie es doch nicht, erzählen schließlich wunderliche Geschichten über Tiere, die es nicht gibt und dann rufen sie mich auch noch auf dem Telefon an, obwohl sie sehen, dass ich zu tun habe. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden…“ Damit wandte er sich von mir ab.

Hier kam ich nicht weiter. Als ich mich anschickte, den Laden zu verlassen, tauchte ein zweiter Mann auf. „Oh. Willkommen, junger Freund. Darf ich mich vorstellen. August Schweltz. Spezialist für modische Bademützen. Seit 40 Jahren teile ich mir dieses Geschäft mit Herrn Stubel dort drüben.“ Ich war ein wenig erleichtert, ob dieser normalen Konversation. „Sehr angenehm. Was hat es denn mit diesem J auf sich?“

Herr Schweltz schien zu überlegen: „Ach, sie meinen das Jot! Herr Stubel betreibt den besten Schreibmaschinenreparaturdienst der Stadt. Aber mit der aktuellen Maschine hat er arge Probleme, weil eine Taste fehlt und der Kunde jeden Moment hier auftauchen kann.“ Herr Stubel brüllte herüber: „Sie sollten mir lieber suchen helfen. Der Kunde kann jeden Moment hier auftauchen“. Ich blickte mich im Laden um, ob ich die verschwundene Taste vielleicht irgendwo entdecken konnte, doch Herr Schweltz winkte ab. „Lassen Sie nur. Seit einundzwanzig Jahren repariert Herr Stubel nun schon die Maschine und seit mindestens fünfzehn Jahren ist die Jot-Taste verschwunden. Wollen Sie sich nicht lieber nach einer modischen Bademütze umsehen?“

Ich fragte: „Heißen die nicht eigentlich Badekappen?“ Herr Schweltz war nun pikiert: „Natürlich nicht. Bademützen heißen Bademützen. Radkappen heißen ja auch Radkappen und nicht Radmützen! Versuchen Sie dieses Modell“. Damit stülpte er mir eine lilafarbene Gummibadekappe, nein: Bademütze mit rosa Rüschen über den Kopf und hielt mir einen blind gewordenen Handspiegel vor. „Allerfeinstes Naturkautschuk mit doppelt verklebter Zierleiste und Sicherheitsgurt für das Kinn. Alles handgemacht“ leierte er stolz herunter. Ich wollte mir das Ding vom Kopf ziehen, doch Herr Schweltz schlug mir entsetzt auf die Finger: „ Nicht anfassen. Das darf nur durch autorisiertes Fachpersonal erfolgen.“ Er nahm die Bademütze schützend an sich und sah mich vorwurfsvoll an. „Wieso produzieren Sie nicht Bademützen aus Stoff?“ fragte ich ihn. „Ausgeschlossen! Das will doch niemand haben.“ fuhr er mich an.

Von drüben meldete sich der Schreibmaschinenreparateur. „Geben Sie es auf Schweltz. Die Dinger sind viel zu schwer. Damit geht man beim Schwimmen unter.“  Jetzt eskalierte es. „Mein lieber Stubel, nun übertreiben sie aber. Von einem, der nicht mehr als einen Buchstaben auf seiner Maschine tippen kann, lasse ich mir dergleichen nicht bieten.“ Stubel dröhnte: „Das wollen wir ja mal sehen.“ Dann tippte er stakkatohaft auf seiner Maschine herum und reichte das Blatt Herrn Schweltz. Dieser las es und wunderte sich: „Schwolf? Das ist ja nicht einmal ein richtiges Wort“. Stubel stand von seiner Maschine auf.  „So? Dann fragen wir doch mal unseren Freund hier.“ Damit meinte er mich. „Was passt nicht in die Reihe. Schwolf, Schnargel, Itzel, Gatzel, Usambaraveilchen und…“,  „und Mempf.“ ergänzte nun noch Herr Schweltz. „Vielleicht Usambaraveilchen?“ riet ich.  „Falsch Falsch. Pah. Das habe ich mir gedacht. Ungebildete Jugend!“, „Schrecklich! So ein Unvermögen“ bestätigte auch Herr Schweltz, während er sich eine himmelblaue Badekappe mit senfgelben Gummibommeln aufsetzte.

So langsam hatte ich keine Lust mehr, aber dafür eine Idee. Ich wandte mich an Herrn Stubel: „Hören Sie. Ist meine Schreibmaschine eigentlich noch nicht fertig? Ich würde sie gerne mitnehmen. Es ist die mit der fehlenden J-Taste. Die Taste habe ich zuhause.“ Herr Stubel blickte mich misstrauisch an. „Sie meinen doch die Jot-Taste?“ Ich nickte eifrig. „Ja, ja. Die Jot-Taste.“ Er schien zufrieden und packte mir die Maschine ein. Ich bezahlte, ergriff die Maschine und nahm hastig das Restgeld entgegen. Draussen angekommen, wollte ich mit dem hart erkämpften Kleingeld die Parkuhr bestücken, als mir auffiel, dass mir der irre Schreibmaschinenreparateur nur Markstücke gegeben hatte. Das war mir jetzt aber auch egal. Ich fuhr nach Hause. Auf das Amt wollte ich auch nicht mehr. Nun suche ich einen Käufer für eine uralte, jedoch gewissenhaft reparierte Schreibmaschine mit fehlender Jot-Taste, denn diesen Laden betrete ich nicht mehr.

Warum mein Nachbar ein Ausserirdischer ist …

Liebes Tagebuch …

Ich bin mir ziemlich sicher, dass seit Kurzem mein Nachbar nicht mehr mein Nachbar ist, sondern einer extraterrestrischen Spezies angehört, deren Beruf es ist, die Erdbewohner zu unterwandern, indem sie ihre Gestalt annehmen. Ich weiß, was Sie jetzt denken, aber ich habe mir das nicht ausgedacht und es gibt zahlreiche Hinweise für meinen Verdacht. Zunächst spricht der verkleidete Außerirdische das Wort „Briefkasten“ etwas anders aus, als es der echte Nachbar täte und er geht auch nicht zu den Aqua Aerobic Stunden, die ich ihm geschenkt hatte.

Außerdem hat er sich neulich furchtbar aufgeregt, als ich in seiner Wohnung eine giftige Spinne kaputt gemacht hatte, die ihn vermutlich jeden Moment angegriffen hätte. Die Spinne hatte sich als neuer Plasmafernseher mit 3D-Funktion getarnt und das Standby-Lämpchen leuchtete bereits verdächtig angriffslustig vor sich hin. Wäre mein Nachbar mein Nachbar, und nicht ein Ausserirdischer, wäre er mir für die Lebensrettung dankbar gewesen, statt mich anzuzeigen. Als ich später seine Post durchsuchte, entdeckte ich, dass er bereits mit anderen Außerirdischen in Kontakt steht. Die Postkarte von seiner angeblichen Tante Jule ist voller versteckter Hinweise darauf.

Mir ist klar geworden, dass ich die letzte Verteidigungslinie auf der Erde vor einer Invasion darstelle. Habe mich daher entschlossen, diese bösartige Kreatur heute Nacht zu überraschen, wenn  sie müde und betrunken von „Hannis Eckstübchen“ nach Hause wankt. Dann werde ich sie zwingen, ihr wahres, scheußliches Äußeres preiszugeben.

Von Erbsensuppenkatapulten und besessenem Vollkornbrot …

Liebes Tagebuch …

Ich konnte mich nun längere Zeit nicht melden. Ich saß die letzten 6 Wochen ohne Licht in meiner Wohnung, um ungestört über Eidotter nachzudenken. Was ich darüber herausgefunden hatte war ebenso bedeutend wie erschreckend. Diese Erkenntnis durfte niemals an die Öffentlichkeit gelangen. Um das Ganze selbst vergessen zu können, suchte ich nach Zerstreuung und probierte einige neue Hobbys aus.

Ich führte einen Exorzismus an Vollkornbrot durch. Mir war klar, dass es besessen ist weil es permanent seine Meinung über Segelschiffe geändert hatte.

Ich baute das Erbsensuppenkatapult zusammen, das ich zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte und testete es an den Nachbarn. Ich erwarte täglich ihr Entschuldigungsschreiben, nachdem sie sich an jenem Abend überaus böswillig im Ton vergriffen hatten.

Ich gründete eine Sekte die den heiligen Sankt Schnuffi anbetet und im Supermarkt wohnt. Ich trug ein weisses Krautkleid und hatte meinen Altar in Gang 6 beim Katzenfutter und den Kurz- und Haushaltswaren. Bevor man mich schließlich hinaus warf, konnte ich an der Käsetheke noch acht neue Mitglieder anwerben.

Sieben bis neun mal täglich rief ich in einer Radiolivesendung an, um mir das Lied von der kleinen, traurigen Flimmergruschtel zu wünschen und eine ganz besondere Brezel im Landkreis Uckermark  zu grüßen. Wenn mir der Schnösel von Radiomoderator blöd kam, sagte ich ihm „Obacht Freundchen! Ich war in Vietnam“, was nicht gelogen war, wenn man von der Tatsache absieht, dass ich dort nicht in den Sechzigern, sondern vor anderthalb Jahren war und es sich auch nicht um das Vietnam in Asien sondern jenes im Allgäu handelte und dass ich dort auch nur wandern und bauchmuskeltrainerförmige Tannenzapfen für meine Sammlung suchen wollte, dies aber nicht konnte weil ich durch den blöden Dauerregen vier Tage lang in der Frühstückspension „Monika“ festgesessen hatte und dann enttäuscht nach Hause gefahren bin.

Habe gerade vergessen, worüber ich eigentlich sprechen wollte.