Von Irrlichtern, Hundefutter und Schlägereien …

Liebes Tagebuch

Die vergangene Woche war wenig ereignisreich.
Hier die chronologische Aufstellung.

Montag
Habe meinen Zug zur Arbeit verpasst. Eine Bande von wild lebenden Papageien hat sich in Bahnhofsnähe niedergelassen, um die Reisenden mit falschen Gleisdurchsagen zu verwirren.

Dienstag
Habe Post vom Gericht bekommen. Wie sich herausgestellt hat war der Mann, den ich seit geraumer Zeit verfolge, doch nicht mein eigenes, aus der Zukunft zurückgereistes Ich. Warte nun auf die Verhandlung.

Mittwoch
Habe furchtbare Bauchschmerzen. Schuld daran ist Fräulein Tapsi, der aggressive Rauhaardackel meiner Nachbarin. Ich fand das Biest extrem unhöflich und beschloss, ihr eine Lektion zu erteilen,  Ich kaufte eine Großpackung ihres Lieblingshundefutters mit extra viel Pansen und verspeiste es vor ihren Augen, ohne ihr etwas davon abzugeben.

Donnerstag
Leide an Schlafmangel. Ein Schwarm umherstreunender Irrlichter wurde des nachts in meinen Garten gelockt, weil jemand verbotenerweise seine alten Glühbirnen dort vergraben hatte. Durch die extreme Helligkeit konnte ich in der Nacht kein Auge zutun.

Freitag
Habe meine Arbeit als Runkelrübengalvanisierungstechniker verloren. Ich war sehr gut in dem was ich tat, doch wie alle großen Modeerscheinungen, so endete auch die Nachfrage nach galvanisierten Runkelrüben rapide und die Fabrik sah sich gezwungen, zu schließen.

Samstag
Mein bester imaginärer Freund Torben-Malte, hat den Kontakt zu mir abgebrochen. Sein eingebildeter Psychiater hat ihn davon überzeugt, dass es mich in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Sonntag
Habe ein blaues Auge. Bin auf der Musik- und Gartenbaumesse Flora & Posauna unschuldig in eine handfeste Auseinandersetzung geraten. Offenbar stritten zwei Gruppen darüber, ob man die Tomate, botanisch gesehen zur Gattung der Blechblasinstrumente zählen müsse. Vielleicht sollte man die beiden Veranstaltungen künftig nicht mehr zusammenlegen.

Hier muss ich nun schließen, damit ich mich in die neue Woche stürzen kann.

Prinz Eduard, der Wecker und ich

Seit kurzem führe ich ein überaus anstrengendes Doppelleben. Der Grund? Der Wecker! Über viele Jahre hat mich dieser Sohn einer räudigen Eieruhr allmorgendlich aus meinen süßen Träumen gerissen. Nun könnte man sagen: Natürlich. Das ist ja sein Job. Ein Wecker soll wecken. Na sicher soll er das. Doch ich schwöre, dass diese teuflische Schlafentfernungsapparatur Spaß dabei hat, mich zu quälen. An jedem Morgen klingt sein heimtückisches „Äääk, Äääk Äääk“ ein Stück schadenfroher als am Tag zuvor.

Paranoid? Ich? Wer hat das gesagt? Mein Wecker versucht mich umzubringen und zwar nicht kurz und schmerzlos, sondern jeden Tag ein ganz kleines bisschen. Ich kann spüren wie sehr er es genießt, dass meine Angst vor ihm täglich wächst.

Doch unlängst habe ich beschlossen, mich von dieser Opferrolle loszusagen und der Herrschaft des Schreckens Paroli zu bieten. Heimlich, ohne das mein Erzfeind davon Kenntnis erlangt, habe ich auf einem Bauernhof einen Hahn namens Prinz Eduard erstanden.

Damit ich vor dem Wecker wach werde, habe ich den Gockel auf eine Stunde früher gestellt. Wenn dann dieses pedantische Zeitmessgerät von einem Wecker an der Reihe war, mich aus Morpheus‘ Armen zu reißen, bin ich schon längst angezogen und mit vier bis fünf doppelten Espressi betankt. Er tut dann zwar so, als wäre nichts, aber ich merke, wie sehr ihn das irritiert.

Sicher, der Preis hierfür ist nicht gerade gering. Die Halluzinationen und Schweißausbrüche durch das viele Koffein, der Misthaufen in meiner Wohnung, ohne den Prinz Eduard sonst nicht einschlafen kann, das nächtliche Wache stehen, welches den Prinzen beruhigen soll, damit er keine Albträume vom Fuchs bekommt, die Erkenntnis, dass ein Hahn je nach Temperament drei bis sieben Hennen benötigt, die mittlerweile auf der Kleiderstange meines leergeräumten Schlafzimmerschranks nächtigen … Aber zu sehen wie dieses Würstchen von Wecker morgens blöd aus der Wäsche schaut entschädigt mich für so manches. Und schließlich habe ich diesen Krieg nicht begonnen.

Bevor die Sache eskaliert, werde ich Phase II starten, um mich meines Feindes elegant zu entledigen. Hierfür benötige ich lediglich eine noch leerstehend zu machende Nachbarwohnung die meiner eigenen bis auf das Mobiliar gleicht, sowie einen Doppelgänger meiner Person.

Von Zeitungsausträgern, Tiefkühlkleister und Kicheranfällen …

Liebes Tagebuch

Die letzte Woche war höchst ereignisreich

Am Montag musste meine Fabrik für Tiefkühlkleister leider schließen. Seitdem traue ich mich nicht mehr aus dem Haus, weil ich mich davor fürchte, dass meine Gläubiger mir auflauern werden um mich mit kalorienarmem Soßenbinder zu bewerfen.

Am Dienstag konnte ich nicht arbeiten gehen, weil ich mich über die Redewendung: „Ruhe im Karton!“  kaputt lachen musste. Als ich das Haus dennoch verlassen wollte, musste ich dies wegen eines massiven Kicheranfalls abbrechen.

Am Mittwoch wollte ich in die Politik gehen. Ich gründete eine Partei mit dem Namen GGS. Was das in lang heißt, werde ich mir noch ausdenken. Ziel meiner Partei ist es, die Farbe violett zu verbieten.

Am Donnerstag habe ich herausgefunden, dass Elvis noch lebt. Mittlerweile nennt er sich Horst Regenauer und betreibt eine Fasanschlachterei in Salzgitter. Er leugnet zwar noch seine wahre Identität, aber ich bin hartnäckig.

Am Freitag wurde mir eine schreckliche Offenbarung zuteil. Wenn ich mich mit dem phlegmatischen Zeitungsausträger zu lange im gleichen Raum aufhalte, explodiert das Raum-Zeit-Gefüge und zerfällt zu Nudelsalat. Ich habe die Zeitung sofort abbestellt.

Am Samstag ist der Vereinspräsident unseres Clubs für interne Unannehmlichkeiten auf einer betrunkenen Fledermaus ausgerutscht und hat sich dabei einen Zacken aus der Krone gebrochen. Ich sollte seine Nachfolge antreten.

Am Sonntag wusste ich schließlich,  was ich mit meinem Leben anfangen werde. Ich habe mich dazu entschlossen, den mathematischen Beweis zu erbringen, dass die Zahl 8 im mathematischen Gefüge keinerlei Bedeutung hat. Weiter werde ich den Antrag stellen, diese Zahl generell zu verbieten und jeden zu verhaften, der noch mit ihr rechnet.

Von unauffälligen Andeutungen und gemeinen Menschen …

Gestern zwinkerte mir der Hund zu, der unten im Erdgeschoss wohnt. Ich verstand seine Andeutung sofort und folgte ihm unauffällig  in seine Wohnung.

Wie ich jedoch voller Entsetzen feststellen musste, wird das arme Tier von seinem menschlichen Mitbewohner unterdrückt, ja regelrecht unterjocht. Er erlaubt dem Hund keinerlei Kontakt zur Außenwelt und mich warf er sofort hinaus. Auch verbot er mir, mit dem Tier je wieder zu sprechen.

Nun arbeite ich an einem Plan, den Hund zu befreien.

Von Agenten, Busfahrern und fehlenden Anweisungen …

Liebes Tagebuch …

Habe Angst. Werde verfolgt! Es handelt sich um einen feindlichen Agenten. Er ist gerissen. Ein Meister der Tarnung. Aber ich bin schlauer. Heute ist er mir bereits dreimal über den Weg gelaufen. Zuerst tat er so, als wäre er ein Busfahrer, danach gab er sich als Schalterbeamtin aus und zuletzt sogar als Katze. Habe die Wohnung verbarrikadiert und warte auf weitere Anweisungen.  Weiß nicht wie lange ich noch durchhalten kann.

Von Konserven, Investmentbankern und Platznot …

Liebes Tagebuch. Ich habe große Platznot. Mein imaginärer Investmentbanker Dr. Kloppe hat mir geraten, all mein Geld für die Zukunft sinnvoll anzulegen.

So habe ich auf seinen Rat hin in bestes oberschlesisches, Hausmacher-Dosen-Otter-Geschnetzeltes investiert. Komme wegen der vielen Konserven kaum noch in meine Wohnung, aber laut Dr. Kloppe wird sich deren Wert  im Laufe der nächsten 37 Jahre veranderthalbfachen. Ziehe solange ins Hotel.

Von feindlichen Agenten, geheimen Zeichen und Himbeergelee …

Liebes Tagebuch …

Heute Morgen ist ein algengrünes Automobil vor meinem Haus vorbeigefahren. Endlich! Das verabredete Zeichen.

Ich eilte hinunter auf die Straße. Das Auto hielt direkt an der nächsten Ampel. Ich stieg auf der Beifahrerseite ein, dann nannte ich dem Fahrer das Losungswort: Himbeergelee.

Der Fahrer der natürlich ein Agent war, erwies sich als absoluter Profi. Er muss gemerkt haben, dass man uns heimlich verfolgte. Er tat so, als würde er mich nicht kennen und warf mich gestenreich aus seinem Wagen. Die Gefahr, aufzufliegen war ihm wohl zu groß. Warte nun auf ein neues Treffen.