Über die Trollwut …

Heute möchte ich über eine Krankheit sprechen, die viele Menschen nicht einmal kennen. Es handelt sich um die Trollwut. Um Aufklärung zu betreiben, möchte ich Ihnen von meinem Onkel Hartmut erzählen. Onkel Hartmut war von Beruf Dentaltechniker und mit Tante Marianne verheiratet. Wie er sich mit der Trollwut angesteckt hatte, konnte nicht einwandfrei geklärt werden. Jedenfalls hatte mein Onkel einen Mops namens Lennon. Ob nun mein Onkel sich bei dem Mops, oder der Mops bei meinem Onkel angesteckt hat, ist mittlerweile auch nicht mehr entscheidend. Letztendlich hatten beide die Symptome der Krankheit. Mein Onkel veränderte sich merklich und auch Lennon wurde langsam aber sicher zum Trollmops.

Es fing damit an, dass Onkel Hartmut bei jedem Supermarktbesuch, heimlich ein paar Plastiktüten aus der Kassenzone mitgehen lies, um sich zuhause in seinem Arbeitszimmer daraus ein Nest zu bauen. Gleichzeitig erzählte er nur noch seltsame Witze über Steine. Im Gegensatz zu uns fand Onkel Hartmut sie brüllend komisch. Wenige Tage später hasste er auf einmal seine Zunge und um sie zu bestrafen, benutzte er sie fortan einfach nicht mehr. Sie hätten das Gesicht von Tante Marianne sehen sollen, als Onkel Hartmut auf der Geburtstagfeier von Opa Wilhelm eine Festrede ohne Zuhilfenahme seiner Zunge hielt. Zu diesem Zeitpunkt vermuteten noch alle, er hätte eine allergische Reaktion auf die Maracujatörtchen.

Schon einen Tag später wurden die Symptome heftiger. Er bekam eine ledrige und faltige Stirn, sein Haar wurde immer rauer und zottiger und seine Nase verformte sich in Richtung Kartoffel. Außerdem erinnerte sein Körpergeruch an eine Videothek im Sommer. Sein Wesen veränderte sich dahingehend, dass er zunächst gutmütig und einfältig, im weiteren Verlauf der Krankheit dann geheimnisvoll und unzuverlässig wurde. Immer öfter ging er aus um Parkscheinautomaten aufzubrechen, weil er einen unerklärlichen Heißhunger auf Kleingeld verspürte. Wir suchten einen Arzt auf, doch der konnte nichts machen. Er riet Onkel Hartmut lediglich von Sonnenbädern ab, wenn dieser nicht unbedingt Gefahr laufen wolle, in Stein verwandelt zu werden. In der Folge hatten Onkel Hartmut und sein Trollmops zuweilen Schaum vor dem Mund, was uns sehr erschreckte, bis wir herausfanden, dass es sich dabei nur um eine Substanz namens Trollkrem handelte. Tante Marianne erwischte ihn einmal dabei, wie er draußen im Garten bei Vollmond die Trollkrem aus Waldpreiselbeeren, Maulwurfsmilch und Sprühsahne in einem großen Kessel zusammenkochte und dabei einen Tanz zelebrierte, der entfernt an eine grobmotorische Variante von Macarena erinnerte. Tante Mariannes Beobachtung erklärte zum einen die bösen Blicke der Nachbarn und löste gleichzeitig auch das Rätsel der im Vorgarten erschöpft vor sich hin röchelnden Maulwürfe. Onkel Hartmuts Zustand wurde immer schlimmer. Er bekam einen Buckel und hatte an jeder Hand plötzlich nur noch vier Finger. Durch einen Vorfall, auf den ich nicht näher eingehen kann, verlor er schließlich seine Arbeit im Dentallabor. Jedenfalls konnte Onkel Hartmut hinterher selbst nicht beantworten, was er mit all den gebrauchten Gebissen überhaupt wollte.

Danach lebten er und Lennon als plumpe und überaus schlecht gelaunte Lebensformen zunächst im Wald vor der Stadt, später dann in einem nicht mehr aktiven Vulkan in der Eifel. Zuletzt haben wir ihn vor anderthalb Jahren besucht. Damals versuchte Tante Marianne ihrem ehemaligen Mann das Skelett eines verendeten Kanarienvogels aus dem Zottelhaar zu fischen, und wurde zum Dank von ihm in den Daumen gebissen. Seitdem besucht ihn niemand mehr von uns. Aus dieser tragischen Erfahrung kann ich nun nur noch meinen Appell an Sie alle richten. Lassen Sie sich frühzeitig gegen Trollwut impfen!

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