Über die Regenschirmzucht

Habe seit einigen Monaten ein neues Hobby. Bin in die faszinierende Welt der Parapluieologie oder auch Regenschirmzucht eingestiegen. Entgegen dem allgemeinen Volksglauben, Regenschirme seien leblose Gebrauchsgegenstände, die in entsprechenden Manufakturen gefertigt werden, ist es doch vielmehr so, dass es sich hierbei um Tiere der Gattung Strebenechse handelt.

Bei der Regenschirmzucht geht es vor allem um viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Möchte man mit dieser altehrwürdigen Kunst beginnen, muss man zunächst das Schirmweibchen dazu bringen, sich dem Schirmmännchen vorsichtig zu öffnen. Keine einfache Sache, da die Weibchen von Natur aus, sehr verschlossen sind. Wenn es jedoch dazu kommt, wird man mit einem sagenhaften Naturschauspiel belohnt. Die Weibchen präsentieren sich zum Balztanz in bunten und prächtigen Farben und Formen und entlocken so dem eher unscheinbar wirkenden grauen oder schwarzen Schirmmännchen aufgeregte Schnapplaute. Bereits wenige Wochen nach dem Begattungsakt, schlüpfen die ersten zarten Knirpse aus ihren Schutzhüllen. In dieser Zeit darf man sich dem Schirmnest unter gar keinen Umständen nähern, da die Eltern sehr gut auf ihre Jungen Acht geben. Viele Züchter mussten ihr Unwissen mit böse eingeklemmten Fingern von Seiten der Regenschirmmutter bezahlen.

Ich selbst habe mich nunmehr auf die Züchtung von anderen Rassen spezialisiert. Inspiriert wurde ich durch Heinrich von Preußen der Anno 1886 selbst ein begeisterter Züchter war. Durch eine wagemutige Kreuzung eines zwölfstrebigen Stoffschirmweibchens mit einem Zylinderstorch gelang ihm die Züchtung einer neuen Rasse. So kamen im 19 Jahrhundert die Schirmmützlinge in Mode. Mein erster Versuch in dieser Richtung verlief mehr oder minder bizarr. Ich kreuzte immer die kleinsten und schwächsten Exemplare, um die Regenschirme noch handlicher machen zu können. Das Vorhaben ging schief. Die winzigen Schirmchen waren so schwach, dass sie kaum überlebensfähig waren. Was sollte ich tun. Ich malte sie bunt an und verkaufte sie an Leute, die sie sich in ihre Cocktails steckten.

Mittlerweile habe ich meine Marktnische gefunden. Ich kreuze nur noch schlechtgelaunte Regenschirmmodelle untereinander, wie zum Beispiel den Prasselmaster 6000, den Niederschlagsprotektor, die Nieseletta, das AGPS ©  (Advanced Graupel Protection System) oder den iHagel. Die Nachkommen sind so suizidgefährdet, dass ich sie von ambitionierten Fallschirmspringern geradezu aus den Händen gerissen bekomme.

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