Jüngst begab es sich, dass ich erstmalig eine Stätte zu erkunden suchte, welche meine Mitmenschen gemeinhin als Restaurant signifizieren.
Ich lies mich an einen freien Tisch nieder und erwartete vergebens einen eintretenden Effekt. Ich wurde gewahr, dass mein Vorgänger an diesem Tisch unachtsamerweise sein Tagebuch zurück gelassen hatte. Verstohlen warf ich allerhand naseweise Blicke hinein.
Offenbar hatte der Verfasser detailliert aufgeschlüsselt, welch kulinarische Köstlichkeiten er an diesem Ort zu sich nahm und auch über den Tribut, den er hierfür zu entrichten hatte, äußerte er sich mehr als ausführlich. Eine sehr prahlerische Eigenschaft, wenn man mich fragt. Gleichwohl hatte mein unbekannter Schreiberling einen gesegneten Appetit, verspeiste er doch dem Büchlein zufolge mehr als vier Suppen, sechs Salate, ein Dutzend Hauptgerichte und ganze sieben Desserts. Ähnliches gibt es über sein Trinkverhalten zu berichten. Doch darüber hinaus war hier weiteres Gedankengut leider nicht zu entdecken, gewiss kein sehr geistreicher Inhalt für jemandes Tagebuch.
Welch Wahnsinn, welch entfesselte Lasterhaftigkeit! Zweifelsohne liegt ein Ort an dem solch maßlose Zeitgenossen verkehren weit ausserhalb meiner Wohlfühlzone, also trat ich jäh meinen Rückzug an und schwor einen heiligen Eid, Einrichtungen jener Art nie mehr zu betreten.



