Ein Ort der entfesselten Lasterhaftigkeit …

Jüngst begab es sich, dass ich erstmalig eine Stätte zu erkunden suchte, welche meine Mitmenschen gemeinhin als Restaurant signifizieren.

Ich lies mich an einen freien Tisch nieder und erwartete vergebens einen eintretenden Effekt. Ich wurde gewahr, dass mein Vorgänger an diesem Tisch unachtsamerweise sein Tagebuch zurück gelassen hatte. Verstohlen warf ich allerhand naseweise Blicke hinein.

Offenbar hatte der Verfasser detailliert aufgeschlüsselt, welch kulinarische Köstlichkeiten er an diesem Ort zu sich nahm und auch über den Tribut, den er hierfür zu entrichten hatte, äußerte er sich mehr als ausführlich. Eine sehr prahlerische Eigenschaft, wenn man mich fragt. Gleichwohl hatte mein unbekannter Schreiberling einen gesegneten Appetit, verspeiste er doch dem Büchlein zufolge mehr als vier Suppen, sechs Salate, ein Dutzend Hauptgerichte und ganze sieben Desserts. Ähnliches gibt es über sein Trinkverhalten zu berichten. Doch darüber hinaus war hier weiteres Gedankengut leider nicht zu entdecken, gewiss kein sehr geistreicher Inhalt für jemandes Tagebuch.

Welch Wahnsinn, welch entfesselte Lasterhaftigkeit! Zweifelsohne liegt ein Ort an dem solch maßlose Zeitgenossen verkehren weit ausserhalb meiner Wohlfühlzone, also trat ich jäh meinen Rückzug an und schwor einen heiligen Eid, Einrichtungen jener Art nie mehr zu betreten.

Wie Herr Finkbeiner einem Zoo aus der Patsche half und warum er keine Frikadellenbrötchen essen sollte …

Das auf dem Foto ist Herr Finkbeiner. Herr Finkbeiner kommt einer extrem faszinierenden Tätigkeit nach. Jeden Morgen verkleidet er sich als Vogel und tritt seinen Dienst im Münsteraner Zoo an. Wie genau er sein Kostüm anlegt, wollte uns Herr Finkbeiner nicht verraten. Das sei sein Berufsgeheimnis, sagt er.

Als er damit anfing sich für einen Vogel auszugeben, bestand sein Kostüm lediglich aus Pfeifenreinigern, einem orangefarbenen Haushaltstrichter und einer Kopfkissenfüllung. Damit flog Herr Finkbeiner häufig auf, doch heute ist er von einem echten Vogel nicht mehr zu unterscheiden.

Wie kam es nun zu solch einem ungewöhnlichen Beruf? Mitten in der Hauptsaison kündigten gleich drei professionelle Vögel auf einmal und zahlreiche Käfige drohten leerzustehen. Da Vögel nunmal nicht auf Bäumen wachsen und um der Zooleitung aus der Patsche zu helfen, sprang Herr Finkbeiner ein.

Zunächst waren seine Kollegen skeptisch ob dieser Maßnahme, da es sich bei ihnen schließlich um echte Vögel handelte, doch als sich Herr Finkbeiner mit ebensolchem Enthusiasmus auf die neuen Meisenknödel stürzte wie sie es auch taten, war er just einer von ihnen. Ferner hat er für seine Bewunderer im Publikum einen eigenen Tanz einstudiert, damit es nicht so auffällt, dass er nicht fliegen kann.

Doch nun zu den Schattenseiten. Einmal wollte man Herrn Finkbeiner während seiner verdienten Pause nicht in die Cafeteria lassen weil er vergessen hatte, sein Kostüm auszuziehen und sich auch anderweitig nicht ausweisen konnte. Die Ernährung war ebenfalls problematisch, muss er doch vor Publikum ständig Körner picken und Würmer hinunterwürgen. In der Vergangenheit gab es einen Eklat, als eine Grundschulklasse gesehen hat, wie er heimlich ein Frikadellenbrötchen mit Senf verdrückte. Fortan verzichtete er auf solche Köstlichkeiten, wenn er im Gehege saß.

Mittlerweile ist Herr Finkbeiner kein Einzelfall mehr. Die Zoodirektion hat erkannt, dass es wesentlich billiger ist, Profi-Tiere durch billigere Amateure zu ersetzen. Vermutlich dauert es nicht mehr lange, bis die Kunst des Animal-Faking zum Trendberuf mutiert ist.

Herr Finkbeiner selbst hat mittlerweile genug von seinem Vogeldasein und plant bis zum Sommer eine Umschulung zum Elefanten.

Aus meiner Familienchronik II

Auch heute möchte ich wieder ein wenig über meine Familie plaudern. Das Foto zeigt meine Ur⁸-Großnichte Olivia Filsterbusch von Klonk (links im Bild) mit ihren Freunden; allesamt leidenschaftliche Zeittouristen die im Zeitreisebüro Chronotravel365 eine Pauschalzeitreise auf einem Campingplatz in den fünfziger Jahren gebucht hatten, da Campingplätze in ihrer eigenen Zeit mittlerweile verboten sind. Waren sie doch Auslöser der großen Wohnmobilkrise in der Mitte des 22. Jahrhunderts.

Auf dem Foto sehen wir Olivia, wie sie gerade die Ziehung der Lottozahlen auf dem Transistorradio verfolgt und in Kürze auf wundersame Weise schon wieder sechs Richtige mit Zusatzzahl haben sollte. Dies tat sie jedoch nicht um sich zu bereichern, sondern lediglich zu Ihrem persönlichen Vergnügen. Die Millionengewinne holte sie nie ab.

Im Nachhinein bekam Olivia aber doch noch Ärger mit der Anachronismusbehörde, weil sie verbotenerweise einen futuristischen Strohhut aus der Zukunft mitgebracht hatte, was in den 50er Jahren eine unkontrollierbare Massenpanik auszulösen vermochte.

Neben meiner Ur⁸-Großnichte sitzt der Zentaur Oktozan Fluppgu. Sein schwergewichtiges Pferdehinterteil war kurz zuvor durch den Liegestuhl gekracht und ist daher auf diesem Foto leider nicht zu sehen. Oktozan besitzt einen Laden für gebrauchte Antimaterie welcher kurz vor der Pleite steht, was auch seinen miesepetrigen Gesichtsausdruck erklärt.

Die Person rechts heißt Fnufgrit Mipsi und gehört jener geheimnisvollen neuen Rasse an, die sich auf der Erde ansiedelte, als dort ein massiver Mangel an Subquantenkauffrauen herrschte. Während des gesamten Urlaubs hatte Fnufgrit schlechte Laune, weil der Campingplatzkiosk keine Waldameisenbrause führte.

Bei der Frau im Vordergrund handelt es sich um Frau Wendy Pfefferkorn. Ihr Sonnenhut verdeckt ein zweites nörgelndes Gesicht am Hinterkopf. Als das Foto aufgenommen wurde, schnitt es blöde Grimassen, weshalb sich Frau Pfefferkorn dazu  entschlossen hat, eine Kopfbedeckung darüber zu ziehen.

Jene Leser die mitgedacht haben, werden sich nun sicher fragen, wie ich an diese Informationen gekommen bin, stammen alle Personen doch zweifelsohne aus der Zukunft. Dies ist schnell beantwortet: Olivia hat mir aus den Fünfzigern eine Postkarte geschickt, die Dank des Vermerkes „Besonders eilig“ am gestrigen Tage bei mir ankam.

Unberühmte Geschwister VIII: Eduardo Da Vinci

Es ist mir ein persönliches Anliegen, heute wieder einmal über jene zu berichten, die permanent im Schatten von jemand Anderem stehen. Es handelt sich um die Geschwister von berühmten Persönlichkeiten.

Eduardo Da Vinci (17. September 1461 – 4. März 1522) war Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur, Klempner und Bachblütentherapeut.

Wie sein Bruder Leonardo, verbrachte auch Eddie, wie er liebevoll genannt wurde, seine Jugend in Florenz. Schon früh interessierte er sich für Musik, Zeichnen, Modellieren und arrhythmische Sportgymnastik.

Zu Eduardo da Vincis berühmtesten Bildern zählen unter anderem die Madonna mit Radieschen, die Proportionsstudie des Brokkolis, Leda mit dem Schwamm, der letzte Imbiss, sowie das weltberühmte Ölgemälde einer jungen Frau namens „Anis Malo“ deren Besonderheit unter anderem darin besteht, dass egal von wo aus man das Bild betrachtet, das Fräulein darauf immer wegschaut. Außerdem portraitierte er den heiligen Agnatius wie er in Florenz das alljährliche Molchrennen segnete.

Im Jahre 1483 verdiente Eduardo seine Brötchen als Architekt der Familie Medici. In den kommenden Jahren baute er einen Marmorpalast, zahllose Brunnen, mehrere Kapellen, ein Gefängnis, einen Sumpf, sowie acht öffentliche Bedürfnisanstalten. Da alle seine Bauwerke eine äußerst deformierte Architektur aufwiesen, und / oder nach kurzer Zeit bereits wieder einstürzten, wurde er fortan von allen „Eduardo Da Windschief“ gerufen.

Als Ingenieur war Eduardo ein Pionier und seiner Zeit weit voraus. Vielleicht ein wenig zu weit. Zu seinen berühmtesten Ingenieursarbeiten zählten unter anderem das Babyphon, der Autoscooter, das Gerät das beim Zahnarzt den Speichel absaugt, sowie den elektrischen Eierkocher. Da alle diese Apparaturen jedoch weit vor der Entdeckung der Elektrizität erfolgten, konnte niemand etwas damit anfangen.

Noch heute gilt Eduardo Da Vinci als einzigartiger Mensch, der sein Leben der Kunst und den Stimmungsschwankungen gewidmet hat und dessen Werke auch in ferner Zukunft nicht in Unvergessenheit geraten.

Damit man sich einen Reim darauf machen kann …

In der deutschen Sprache gibt es keinen Reim auf die Wörter  »Orgel«, »Mönch«, »Mensch«, »Fenchel« und »Amsel«. Dies ist ein Missstand, den ich umgehend zu berichtigen gedenke. Folgende Worte wurden von mir entwickelt, um das Reimgleichgewicht wiederherzustellen.

Trorgel, Der: Ein absolut langweiliger, aber technikbegeisterter Mensch, der sein Telefon sogar noch dazu verwendet, um Selbstgespräche zu führen.

Splönsch: Ein nicht näher zu bestimmendes Geräusch das klingt, wie ein festgesaugter Toilettenpömpel wenn er entfernt wird.

twilensch, (adj.): bezeichnet den Zustand eines Menschen, der an akuter Toonnitis leidet und kurz zuvor gegen eine aufgemalte Tür gelaufen ist, woraufhin sich um seinen Kopf herum zwitschernde Zeichentrickvögel bilden.

Querenchel, Der: Die Wahnvorstellung, regelmäßig die Milchstraße anbrüllen zu müssen, weil man denkt, sie habe nichts aus ihrem Leben gemacht.

Schlaramsel, Das: In ein Schlaramsel gerät eine Person, die so paranoid ist, dass sie ihren Geist vor allem und jedem verschließt. Sogar vor sich selbst. Dies führt dazu, dass sie sich selbst aus ihrem eigenen Kopf aussperrt und von da an um ihr Gehirn herumirrt, durch die Milchglasscheiben nach innen glotzt und auf den Oberstübchen-Schlüsseldienst wartet.

Da ich Gedichte von Natur aus nicht leiden kann habe ich beschlossen, mit den neu gewonnenen Wörtern eines zu schreiben:

Um Mitternacht da ist‘s gar lautlos.
Man hört gar nichts,  ja nichtmal Autos.
Selbst in der Kirche schweigt die Orgel.
und ohne Laut ist auch der Trorgel.

Doch was ist das? Da bricht die Stille?
War das ein Wicht? Ein Wurm? ,Ne Grille?
Vielleicht ein Fisch? Ein Bär? Ein Mönch?
War schwer zu sagen. Es machte Splönsch.

Ich wollte schauen was das ist.
Bestiehlt mich da ein Anarchist?
Vielleicht war‘s aber auch kein Mensch.
Mir wurde bang ums Herz, ja schier twilensch.

Ich geh der Sache auf den Grund,
doch nur mit Waffe! – spricht mein Mund.
Ich suchte und fand nur den Fenchel.
Der nützt genauso viel wie ein Querenchel.

Wehrlos setzte ich die Suche fort.
Die Küche! Es kam wohl von dort!
Die Quell‘ des Krachs war eine Amsel.
Die plötzlich sprach: Welch ein Schlaramsel!

FrischGepresst Frustschutzmittel

Der Winter naht, und mit ihm die kalt und grau anmutenden Tage voller Unglückseligkeit. Doch nun gibt es ein neuartiges, happyninhaltiges Erfrischungsgetränk mit viel natürlicher Glückose. Das FrischGepresst Frustschutzmittel bringt auch Dich durch den trüben Winter!

In Kürze im Handel erhältlich! (sobald die Freigabe durch das Gesundheitsamt erteilt wurde)

 

 

Aus meiner Familienchronik

Heute möchte ich dem geneigten Leser ein wenig über meine Familie erzählen. Das Foto zeigt meine Urgroßmutter Alwine mit ihrem Mann Konrad. Kurz bevor das Foto aufgenommen wurde, hatten die Beiden einen furchtbaren Streit über das Holzfass hinten rechts im Bild.

Konrad war ein begeisterter Bastler und nach den Anweisungen aus seinem Lieblingsbuch„Eckebert Hähnleins Almanach der Erfindungen für Groß und Klein“ hatte er eine vollautomatische Sauerkrautbeförderungsanlage konstruiert, die das einzulagernde Kraut aus dem Holzfass hinten im Bild pumpen sollte.

Das Kraut würde in die Speisekammer des Wohnhauses befördert werden, wo ein weiteres Fass mit Weisswein, Kümmel und Wacholderbeeren stand. Hierzu hatte Konrad ein Rohrsystem installiert, dass sich kreuz und quer durch alle Zimmer zog.

Um seine Maschine anzutreiben verwendete Konrad die Benzinpumpe seines Automobils, das man sich erst kürzlich angeschafft hatte. Derart überzeugt von seiner Konstruktion bestellte Konrad eigens einen Fotografen herbei, um die Premiere der Maschine feierlich ablichten zu lassen.

Zum Eklat kam es, als das Sauerkrautbeförderungsrohr an mehreren Stellen im Haus platzte, während sich gleichzeitig der Motor des Automobils mit dem zurücksickernden Sauerkraut füllte, dann explodierte und schließlich seinen Dienst für immer versagte.

Urgroßmutter Alwine war eine sehr zurückhaltende Frau und neigte wenig zu Wutausbrüchen. Kurz bevor der Fotograf auf den Auslöser seiner Kamera drückte, nahm sie dem völlig entsetzten Konrad schlicht sein Erfinderbuch weg, um es anschließend im Obstgarten hinter dem Haus zu vergraben.

Die Fotografie selbst hat Urgroßmutter Alwines sauertöpfische Miene und Konrads schuldbewussten Gesichtsausdruck für die Nachwelt festgehalten, gilt sie doch gleichzeitig als einziges Zeugnis jener Begebenheit, über die man sich nach diesem Tage nie mehr zu äußern beabsichtigte.